Der E1800/3 ist einer der begehrtesten Profiempfänger überhaupt. Gemäss Tests aus den neunziger Jahren wurde der 1800/3 als weltbester Kurzwellenempfänger gehandelt. Kein Wunder, das diese Empfänger zu enormen Preisen verkauft wurden. Nicht selten wurden über 10'000Euro für ein ausgemustertes Gerät im Gebrauchtmarkt bezahlt. Der Neupreis des hier gezeigten E1800/3 lag damals bei 52835 DM. Hier die detaillierte Aufstellung gemäss der vorliegenden Originalpreisliste:
Der E1800/3 ist nach dem E1800, der Nachfolger der bewährten Telefunken Empfänger E1501 & E1700. Einige Komponenten die im E1501 & E1700 in Verwendung waren, wurden im E1800/3 weiter verbaut. Allerdings wurden die Komponenten immer wieder optimiert. Wie seine Vorgänger, wurde der E1800/3 vornehmlich in Abhörstationen, von Militärs und teils bei Seefunkstellen eingesetzt. Viele solcher Geräte waren auch in automatisierten Abhörstationen im Einsatz, wo ein Computergesteuertes System die Überwachung der Frequenzen übernahm. Diese Geräte wurden teils ausgemustert und durch modernere Software Defined Radios (SDR) ersetzt. Darum sind einige dieser Geräte in fast neuwertigem Zustand im Gebrauchtmarkt erhältlich, weil sie nie von Menschenhand bedient wurden.
Je nach Einsatzgebiet kann die Empfängerausrüstung anders ausfallen. Der hier getestete Empfänger wurde hauptsächlich für CW, RTTY und SSB Sprechfunk eingesetzt. Ich habe den E1800/3 etwa zwei Wochen lang betrieben und habe mir über den damals "weltbesten Empfänger" meine Meinung gebildet. Um einen fairen Vergleich zu machen, habe ich mir von einem Kollegen den Racal RA3712 ausgeliehen. Dieser RA3712 ist etwas moderner und flexibler als der E1800/3. Dennoch sind die Empfangsleistungen praktisch auf dem selben Niveau. Auch habe ich meinen übrigen Gerätepark in diesen Vergleichstest miteinbezogen. Der E1800/3 ist in der Tat ein Spitzenempfänger! Aber er war nicht besser oder schlechter als der RA3712! Beide Geräte lieferten nahezu die selbe Signalqualität. Hier muss ich betonen, das dies nur möglich war bei manueller Verstärkungsregelung des E1800/3. Denn die AGC- Automatik ist nicht optimiert für Sprechfunk oder Rundfunk. Die AGC- Regelung setzt viel zu schnell ein. Das bedeutet, die ersten Silben am Anfang des Satzes werden durch die zu schnell einsetzende AGC- Regelung weggeknallt. Ein ganz grosses Manko für ein solches Gerät! Das bestätigt die Aussagen anderer 1800/3 Besitzer. Wie viele andere Profi- Geräte, ist auch der E1800/3 flexibel wie ein Stein. Er hat keine Hilfsmittel zur Empfangsverbesserung wie Noiseblanker, Bandpass Tuning usw. Wenn ein SWL mit so einem Gerät ernsthaft arbeiten will, müssen Zusatzgeräte wie Audiofilter usw. bemüht werden. Sollte der Empfänger nicht die passenden ZF- Filter verbaut haben, kann dies zu einer teuren Angelegenheit und aufwändigen Suche ausarten. Solche ZF- Filter sind heutzutage praktisch nicht mehr zu finden. Vor allem die 5 & 6khz AM Filter sind unauffindbar! Der E1800/3 ist ein Spitzenempfänger mit verbesserter und vereinfachter Bedienung gegenüber seinen Vorgängern. Doch leider ist auch der E1800/3 kein praktischer Kurzwellenempfänger für SWL- Bedürfnisse. Trotz hervorragender Empfangsqualität bei manueller Verstärkungsregelung, ist der E1800/3 nur bedingt brauchbar, weil er zu unflexibel ist. Vergleicht man ihn mit einem modernen Empfänger wie z.B. dem Reuter RDR50C2 oder dem Perseus SDR, wird einem schnell klar was einem solchen Profi fehlt. Die Flexibilität! Lohnt sich die Anschaffung eines solchen Gerätes? Von der praktischen Seite her gesehen ganz klar Nein! Sieht man das ganze Sentimental und hat dazu noch das nötige Kleingeld, ganz klar Ja! Es ist ein wunderbares Gerät das einen in seinen Bann zieht und Spass macht. Unter diesem Link sind technische Daten und weitere Informationen zum E1800/3 zu finden. >E1800/3< Danke Reinhart.
Verfasst am 21.04.2014
Der E1800/3 in Betrieb (HD Video)
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